Arthur S. Obermayer

Mit Betroffenheit haben der Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft und vor allem die Obermayer-Preisträger Helmut Urbschat und Manfred Kluge die Nachricht vom Tode Arthur Obermayers aufgenommen. Arthur Obermayer starb am 10. Januar 2016 in Dedham/Mass., USA, im Alter von 84 Jahren.

In einem Kondolenzschreiben, das Ralf Steiner, Vorsitzender der MGG, an die Obermayerstiftung gerichtet hat, heißt es: "Mit Betroffenheit haben wir vom Tode Arthur S. Obermayers erfahren. Der Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, besonders auch unsere Preisträger Helmut Urbschat und Manfred Kluge (Awardees 2008), sprechen den Angehörigen ihre herzliche Anteilnahme aus. Die Tage in Berlin und die Begegnung mit Arthur Obermayer werden stets eindrucksvolle Erinnerungen bleiben. Wir hoffen, dass das gute Werk, das von A. Obermayer begründet wurde, nach seinem Ableben in gleicher Weise fortgesetzt werden kann zur Förderung der Versöhnung und des Friedens in der Welt.“

Dr. Arthur S. Obermayer war ein erfolgreicher US-Unternehmer in der Chemie-Branche, er war politisch aktiv, hatte aber auch großes Interesse an der jüdischen Geschichte. Viele Jahre war er Vizepräsident der „American Jewish Historical Society“. Besonders war er an der deutsch-jüdischen Geschichte interessiert, zumal seine Vorfahren aus Deutschland stammten. Bei einem Besuch in Süddeutschland war er beeindruckt, wie viele Einzelpersonen, Gruppen und Vereine engagiert die lokale jüdische Geschichte erforschen. Mit Erstaunen nahm er zur Kenntnis, dass die Geschichte seiner eigenen Vorfahren bereits Gegenstand der lokalen Forschung war. Seine Großeltern (beiderseits) waren in Deutschland geboren und im 19. Jahrhundert in die USA ausgewandert. Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an A. Obermayer im Jahre 2007 sagte er: „In der Stadt Augsburg bekam ich die Kopie eines Heiratsvertrages meiner Großeltern, und man zeigte mir das Haus, wo sie und ihre Eltern vor mehr als 200 Jahren gelebt haben.“

Diese Eindrücke und Erlebnisse regten A. Obermayer an, einen Preis zu stiften für die Personen, „die solch eine hervorragende Arbeit auf freiwilliger Basis gemacht haben, um die jüdische Geschichte und das jüdische Erbe in ihrer eigenen Gemeinde zu bewahren“ (Obermayer 2007). In Creglingen, woher viele seiner Vorfahren stammen, gründete er ein jüdisches Museum.

Seit 2000 wird jährlich der „Obermayer German Jewish History Award“ verliehen. Die Preisverleihung findet in zeitlicher Nähe zum Holocaust-Gedenktag (27. Januar) im Berliner Abgeordnetenhaus statt. Der Preis wird immer an fünf deutsche, nichtjüdische Personen verliehen, „die auf freiwilliger Basis in ihren Heimatorten einen herausragenden Beitrag zur Bewahrung des Gedenkens an die jüdische Vergangenheit – ihrer Geschichte und Kultur, ihrer Friedhöfe und Synagogen – geleistet haben“ (Obermayer Foundation, Inc., Eine Ehrung, 2008). Im Januar 2008 wurden Helmut Urbschat und Manfred Kluge auf Vorschlag von Sue Alterman-Moss, Nancy Moss Cohen und Ingrid Moss mit dem Obermayer-Award ausgezeichnet. Die lokale Presse berichtete ausführlich darüber (siehe auch unsere Rubrik „Obermayer Award“). ...

Im November vorigen Jahres wurden alle Preisträger von der Obermayer-Stiftung aufgefordert, zu Ehren von Arthur Obermayer einen Text-/ Bildbeitrag einzusenden, wie sich die Preisvergabe auf die eigene Arbeit ausgewirkt habe bzw. welche neuen Projekte seit der Preisverleihung in Angriff genommen wurden. Bei der Ehrung im Januar 2016 sollte eine entsprechende Broschüre an Arthur Obermayer, dem es in letzter Zeit nicht mehr gut ging, überreicht werden. Nun aber ist A. Obermayer bedauerlicher Weise vorher verstorben. Die diesjährige Veranstaltung stand ganz unter dem Eindruck des Ablebens des Stifters.

Einige Wochen nach dem Tode hat nun die Obermayer-Stiftung eine Broschüre unter dem Titel „A Tribute to Dr. Arthur S. Obermayer and Obermayer German Jewish History Awardees“ herausgegeben, die einerseits dem Gedenken A. Obermayers gewidmet ist, andererseits aber auch die Preisträger würdigt. In Kurztexten werden die Preisträger von 2000 an gewürdigt, soweit sie Beiträge für die geplante Broschüre eingereicht haben. In einem Kurzbeitrag über unsere Preisträger heißt es:

Manfred Kluge erhielt den Obermayer Award zusammen mit Helmut Urbschat. Die beiden nahmen es als Ermutigung auf, die jüdische Geschichte Vlothos weiter zu erforschen. Obwohl Urbschat aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit aufgeben musste, ging Kluges Wirken weiter. Im Jahre 2008 veröffentlichte Kluge das „Gedenkbuch für die Vlothoer Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung“ im Auftrage der Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Im selben Jahr brachte er ein Dokumentarspiel heraus, das mit großem Erfolg aufgeführt wurde. 2013, nach drei Jahren intensiver Forschung, gab Kluge eine neue Auflage von „SIE WAREN BÜRGER UNSERER STADT – Beiträge zur Geschichte der Juden in Vlotho“ heraus. Diese überarbeitete und erheblich erweiterte Version des Buches von 1988 dokumentiert 250 Jahre jüdischer Geschichte in Vlotho von ihrem Ursprung um 1690 bis zu ihrem Ende durch die Deportation der Juden in den Jahren 1941/42.

Über den Zeitraum mehrerer Jahre erforschte Kluge die Inschriften des jüdischen Friedhofs. 2014 veröffentlichte er alle Inschriften auf der Homepage der Mendel-Grundmann-Gesellschaft (www.mendel-grundmann-gesellschaft.de). Seit 2014 fand Kluge einen weiteren Weg, um die jüdische Geschichte Vlothos ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Er schlug vor, ein Schaufenster eines leerstehenden Geschäftes im Zentrum der Stadt anzumieten, wo die Bücher der Mendel-Grundmann-Gesellschaft und Ausstellungsplakate zur jüdischen Geschichte Vlothos präsentiert werden können. Auf diese Weise kann die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder, die einst Bürger dieser Stadt waren, stets von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Ein neuer Aufsatz von Kluge über die Geschichte der Juden in Vlotho ist im „Historischen Jahrbuch für den Kreis Herford 2016“ unter dem Titel „Vlothoer Juden und der Erste Weltkrieg“ veröffentlicht worden (Text aus dem Englischen übersetzt). Über die Fortführung des Werkes von Arthur Obermayer schreibt Karen S. Franklin, Vizepräsidentin, dass sich die Kinder Obermayers und seine Frau Judy dazu verpflichtet hätten, die Zukunft der Obermayer Awards zu sichern. „Das Award Programm wird als Projekt der Obermayer Foundation fortgeführt, mit Ko-Förderung durch das Abgeordnetenhaus von Berlin, das Leo-Baeck-Institute und die GerSig (German Special Interest Group of JewishGen)“, heißt es in dem einführenden Text zu der jetzt herausgegebenen Gedenkbroschüre.

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