Angela Winkler und Thomas Gräfe leiten die Mendel-Grundmann-Gesellschaft

Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft hat eine neue Vorsitzende. Pastorin und Religionslehrerin Angela Winkler als erste Vorsitzende und Historiker Thomas Graefe als zweiter Vorsitzender leiten jetzt die Geschicke der Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Der gemeinnützige Verein, der sich seit seiner Gründung durch Helmut Urbschat im Jahr 1965 mit der jüdischen Regionalgeschichte beschäftigt wachhält, war in den vergangenen 13 Jahren von Ralf Steiner geleitet worden.


Bereits vor einigen Monaten hatte der inzwischen schwer erkrankte Exteraner Pfarrer angekündigt, sich aus der Vorstandsarbeit zurückzuziehen. Angela Winkler war seit 2016 zweite Vorsitzende, Thomas Gräfe arbeitete bislang im erweiterten Vorstand mit. In der Jahres-Mitgliederversammlung sind vor wenigen Tagen die personellen Veränderungen einstimmig beschlossen worden. Zum Vorstand gehören außerdem Christoph Beyer als Kassierer (wiedergewählt) und Jürgen Gebhard als Schriftführer (bisher Ulrich Ammon). Im Beirat arbeiten derzeit Ulrich Ammon, Volker Junghärtchen und Winfried Reuter mit.

Aus dem Krankenhaus in Gütersloh übermittelte Ralf Steiner seine Glückwünsche und erinnerte an die wichtigsten Ereignisse seiner Amtszeit: „Die Highlights waren die regelmäßigen Bildungsfahrten mit den Ammons, die Reise nach Berlin zur Verleihung des Obermayer-German-Jewish-History-Awards (und dort die tollen Begegnungen mit Arthur Obermayer und Walter Momper), die Verlegungen der Stolpersteine mit Gunther Demnig, das 50. Jubiläum und die Erweiterung des Vorstandes zu einem kreativen Team. Ganz tragisch war der Tod von Manfred Kluge, der sehr viel geforscht und für uns viele Bücher geschrieben hat. Ich wünsche Angela Winkler und Thomas Gräfe viel Freude an ihrem wichtigen Amt. Besonders freut mich die super Zusammenarbeit mit dem Weser-Gymnasium!“

Zur Mendel-Grundmann-Gesellschaft gehören auch mehrere Pädagogen des Gymnasiums. Sie arbeiten regelmäßig mit Schülergruppen zum Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Schülergruppen gestalten auch das Erinnerungs-Schaufenster im Haus neben dem Schlüsseldienst in der Langen Straße und beteiligen sich Jahr für Jahr am 10. November auf dem jüdischen Friedhof an den Gedenkfeiern zur Zerstörung der Vlothoer Synagoge, wo dann auch die Namen der 41 Holocaust-Opfer verlesen werden. „Wir verlesen die Namen, weil wir nicht wollen, dass sich der Wille der Nazis erfüllt und dass die Namen unserer jüdischen Mitbürger vergessen werden“, sagte Ulrich Ammon.

In einem neuen Projekt wird sich die Q1 (die ehemalige Jahrgangsstufe 11) des WGV mit den Holocaust-Opfern beschäftigen, für die Stolpersteine verlegt worden sind. Das kündigte Schulseelsorger Volker Junghärtchen in der Versammlung an. Ziel sei es, QR-Codes in der Nähe der Stolpersteine anzubringen, über die dann per Smartphone einige Informationen zu den Menschen abrufbar seien. Eine gute Zusammenarbeit findet inzwischen auch mit dem Gesamteuropäischen Studienwerk statt, das sagte Ulrich Ammon. In seinem Rückblick berichtete er davon, dass er Besuchergruppen im Rahmen von Stadtführungen auch mit dem Schicksal der Juden und mit der Erinnerungsarbeit der Mendel-Grundmann-Gesellschaft bekannt gemacht habe.

Autor dieses Beitrages: Jürgen Gebhard

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