Herzlich willkommen auf der Internetseite der Mendel-Grundmann-Gesellschaft e.V. Vlotho.
Sie interessieren sich für jüdische Regionalgeschichte? Dann sind Sie hier richtig!
Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der Geschichte der Juden in unserer Stadt Vlotho/Weser. Wenn Sie sich über uns und unsere Arbeit informieren wollen, finden Sie viel Lesenswertes auf dieser Homepage...
Nächste Aktivitäten im Vereinsjahr 2010:
Samstag, 11. September:
Tagesfahrt mit der Bahn zum Jüdischen Museum und zum Holocaust-Denkmal nach Berlin. Kostenbeitrag 50,- Euro für Schüler/innen, sonst 60,- Euro. Die Fahrt findet nur bei ausreichendem Interesse statt - bitte melden Sie sich bis zum 15. 6. bei Manfred Kluge an: Telefon: 05733 / 3621 !
Mittwoch, 10. November:
Mittags Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal mit Kranzniederlegung.
Abends Vortrag mit Diskussion über die Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher aus der Kultusgemeinde Vlotho (Manfred Kluge und Rico Quaschny, Stadtarchiv Bad Oeynhausen).
Ein Termin für den Besuch in der neuen Synagoge Herford, die wir mit einer namhaften Summe unterstützt haben, wird noch gesucht...
Berichte über Gewesenes:
Exkursion nach Petershagen am 26. Juni 2010
Unter dem Thema „Auf den Spuren der Juden in Petershagen“ hatte die Mendel-Grundmann-Gesellschaft zu einer Exkursion nach Petershagen eingeladen. Zwischen der „Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen“ und der Mendel-Grundmann-Gesellschaft bestehen seit Jahren enge Beziehungen. So wurde die Gruppe aus Vlotho vom 2. Vorsitzenden Wolfgang Battermann herzlich begrüßt. Mittelpunkt des Besuchs sollte der Stand der Ausgrabungen im Bereich der ehemaligen jüdischen Schule sein, die zu überraschenden Ergebnisse geführt hatten. Wolfgang Battermann wies zunächst auf die Besonderheiten in Bezug auf die Überreste jüdischer Geschichte Petershagens hin. Da ist zunächst das Gebäude der ehemaligen Synagoge, das nach seiner Restaurierung seit 2003 als Dokumentationsstätte genutzt wird. Im Bereich der ehemaligen jüdischen Schule, die direkt an die Synagoge angebaut ist, wurden 2008 Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurde zur Überraschung - auch der Archäologen – eine Mikwe aufgefunden. (Eine Mikwe ist ein Tauchbad, das der rituellen Reinigung der jüdischen Gläubigen dient.) Synagoge, jüdische Schule und Mikwe, die auf das Jahr 1796 zurückgehen, sind ein einzigartiges Ensemble jüdischer Kultur, einmalig im norddeutschen Raum. Dazu gehören noch der jüdische Friedhof und seit 2009 die Verlegung von Stolpersteinen vor den ehemals jüdischen Häusern bzw. Wohnungen. Der Raum der Alten Synagoge beeindruckt durch seine Schlichtheit. Thoraschrein und Bima, das Vorlesepult, werden nur mit filigranen Edelstahlgerüsten angedeutet. Ornamentale Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert sind wieder sichtbar gemacht worden, ohne dass sie den Raum beherrschen. Der relativ kleine Raum wirkt durch die hohe Deckenkonstruktion und die lichtdurchlässigen Fenster größer und strahlt eine gewisse Erhabenheit aus. Mit besonderem Interesse betrachteten die Besucher aus Vlotho natürlich den Chanukka-Leuchter, der als Leihgabe der Mendel-Grundmann-Gesellschaft in der Alten Synagogen wirkungsvoll ausgestellt ist. Besonders fasziniert waren die Besucher von den Restaurierungsarbeiten im Bereich der jüdischen Schule. Leider war die Mikwe, also das Tauchbad, aus bautechnischen Gründen abgedeckt, aber an Hand von Fotos konnte man sich einen Eindruck von dem guten Zustand der Anlage machen. So konnten die Treppenstufen unbeschädigt freigelegt werden. Im Gegensatz zur ehemaligen Synagoge sollen die Räume in der jüdischen Schule (Klassenraum, Lehrerwohnung) wieder eingerichtet und der Treppenaufgang zur Empore wieder hergestellt werden.Als Beispiel für die Verlegung von Stolpersteinen führte Wolfgang Battermann die Gruppe zum Haus der Familie Oppenheim. Am Schicksal dieser angesehenen jüdischen Arztfamilie wurden Parallelen zur Geschichte der Vlothoer Juden deutlich, wie überhaupt die Geschichte der Juden Petershagens immer auch die Schicksale der Vlothoer Juden anklingen ließ. Die Vlothoer waren beeindruckt von der verdienstvollen Arbeit des Vereins Alte Synagoge, vor allem ihrer Vorstandsmitglieder Pfarrer Eckhard Hagemeier und Wolfgang Battermann, die in den letzten Jahren geleistet wurde, um die Erinnerung an jüdisches Leben und jüdische Kultur in Petershagen wachzuhalten. Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Schloss Petershagen bedankte sich Ralf Steiner, Vorsitzender der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, mit anerkennenden Worten für die sehr informative Führung. www.synagoge-petershagen.de
Ein Korb erzählt jüdische Geschichte
Exkursion der Mendel-Grundmann-Gesellschaft zum Museum in Dorsten
Vlotho. Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten will keine Holocaust-Gedenkstätte sein. Im Mittelpunkt stehen hier jüdisches Leben und Kultur in Westfalen. Mitglieder der Mendel-Grundmann-Gesellschaft Vlotho haben dieses Museum inzwischen zum zweiten Mal besucht.
Der erste Besuch fand 1993, ein Jahr nach der Eröffnung, statt. Inzwischen ist das Museum erheblich erweitert und umgestaltet worden. Aber auch bei der Neukonzeption ist man dem Grundsatz treu geblieben, dass man keine Holocaust-Gedenkstätte sein will. Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderte lange Tradition jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Westfalen. Das Jüdische Museum versteht sich als Lernort zum Verständnis des Judentums, seiner Religion und Kultur als Teil deutscher und europäischer Geschichte. Das Museum bietet eine einzigartige Sammlung von Gegenständen zum jüdischen Kultus und jüdischer Kultur, wobei jedes Exponat seine eigene Geschichte hat.
Besondere Faszination übte auf die Vlothoer Besucher der »Bottroper Bücherkorb« aus. In einem Haus in Bottrop, das früher einer jüdischen Familie gehört hatte, fand man 1989 auf dem Dachboden einen Reisekorb mit Büchern. Der Korb enthielt 150 Bücher, die auf Grund der Namenseintragung eindeutig dem einstigen jüdischen Hauseigentümer, nämlich der Familie Dortort, zugeordnet werden konnte. Bei den Büchern handelt es sich um jüdisch-religiöse Literatur, Schriften über Palästina, über Theodor Herzl und seine Vision vom »Judenstaat« und volkstümliche jüdische Bücher. Die Familie Dortort hatte die Bücher - sorgfältig verpackt - auf dem Dachboden ihres Hauses versteckt. Die Wiederentdeckung war an sich schon ein besonderes Ereignis. Die Geschichte des Bottroper Bücherkorbs bekam aber noch eine besondere Wendung, als 2004 ein Besucher des Museums betroffen vor dem Korb stehen blieb und spontan ausrief: »Das ist unser Korb. Wir hatten solche Körbe im Geschäft!« Der Besucher war Josef Dortort, ein Sohn der Familie Dortort, den die Eltern als Zehnjährigen nach Belgien gebracht hatten, um ihn vor der Naziverfolgung zu schützen. Durch glückliche Umstände konnte Josef Dortort überleben. Seine gesamte Familie fiel dem Naziterror zum Opfer.
So spiegelt sich in jedem Detail des Museums die jüdische Geschichte wider. Ein weiterer Schwerpunkt der Führung waren Lebenswege (und Überlebens-Wege) westfälischer Juden. Aus aktuellem Anlass interessierte hier besonders das Schicksal der Marga Spiegel. Sie zählt zu den wenigen jüdischen Personen aus Westfalen, die während der NS-Verfolgungszeit untertauchen und schließlich überleben konnten. Unter dem Namen »Margarete Krone« gab sie sich als Ausgebombte aus und konnte auf verschiedenen Bauernhöfen Zuflucht finden. Ihr Schicksal bildet die Grundlage für den Film »Unter Bauern«, der mit Veronica Ferres produziert wurde und in den nächsten Wochen in die Kinos kommt.
Manfred Kluge, Vorstands-Mitglied der Mendel-Grundmann-Gesellschaft: »Auch dieses Projekt ist sicher im Sinne der Zielsetzung des Jüdischen Museums, nämlich Anteilnahme an dem leidvollen Schicksal der westfälischen Juden zu wecken«.
(Vlothoer Zeitung vom 17.09.2009)
Spendenkonto:
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Konto 250 614 252
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