Herzlich willkommen auf der Internetseite der Mendel-Grundmann-Gesellschaft e.V. Vlotho.
Sie interessieren sich für jüdische Regionalgeschichte? Dann sind Sie hier richtig!
Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft e. V. beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der Geschichte der Juden in unserer Stadt Vlotho/Weser. Wenn Sie sich über uns und unsere Arbeit informieren wollen, finden Sie viel Lesenswertes auf dieser Homepage...
13. 3. 2012 19.30 Uhr Jahreshauptversammlung
13. 3. 2012 20 Uhr Die neue Gedenkstätte Fa. Topf und Söhne in Erfurt, die "Ofenbauer von Auschwitz"
12. 5. 2012 13.30 Uhr - 18 Uhr Fahrt zur Wewelsburg (Ausstellung zur Geschichte der SS)
20. 9. 2012 Vortrag und Diskussion "Martin Luther und die Juden" (Gemeindehaus Exter)
22./23. 9. 2012 2-Tages-Fahrt nach Erfurt (Luther und die Juden, jüdische Stätten, Fa. Topf und Söhne, die "Ofenbauer von Auschwitz")
9. 11. 2012 (Freitag Mittag) Kranzniederlegung am Mahnmal neben dem Jüdischen Friedhof Wasserstrasse
Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmende, denen die Erinnerung an die jüdische Geschichte Vlothos wichtig ist!
Berichte über Gewesenes:
Auf der Jahreshauptversammlung der MGG am 28. Juni 2011 im Gemeindehaus der Ev.-ref. Kirchengemeinde Vlotho verabschiedete sich nach über 20 Jahren der verdiente Schriftführer und Kassierer Manfred Kluge aus der Vorstandsarbeit. "Ich widme mich in den nächsten 2 Jahren ganz der Neuauflage unseres Standardwerkes über die Geschichter der Vlothoer Juden `Sie waren Bürger unserer Stadt´, das 2013 zum 75. Jahrestag des Novemberpogroms überarbeitet und erweitert erscheinen soll." erklärte Kluge den anwesenden Mitgliedern. Der Vorsitzende und Ehrenvorsitzende fanden Worte des Dankes und der Anerkennung für Kluges Verdienste, die ja mit dem "German Jewish History Award" schon internationale Würdigung erfuhren. Zum Nachfolger Kluges wurde einstimmig Hans-Gerhard Wehmeier gewählt. Zum Abschluss der Versammlung betrachteten die Teilnehmer das Thorafragment aus der ehem. Vlothoer Synagoge, das dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold ausgehändigt wurde und sich nun im Besitz der Herforder Synagoge befindet. Eine vollständige Thorarolle umfasst die 5 Bücher Mose auf 40 Pergamentseiten mit genau 200 Textspalten. Die einzelnen Seiten sind mit Sehnen koscherer Tiere zusammengenäht. Das aufgetauchte Fragment aus Vlotho ist 200 cm lang und 50 cm breit. Es sind die ersten 3 Seiten, zweimal zusammengenäht mit 11 Spalten (3+4+4). Das entspricht ca. 5,5 % einer vollständigen Thorarolle. Der Text beginnt mit 1. Mose 1, 1 (Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde...) und endet 1. Mose 11, 27 (... und Haran zeugte Lot.)
Mit der Mendel-Grundmann-Gesellschaft in der neuen Herforder Synagoge (7. 10. 2010)Der Besuch der neuen Herforder Synagoge, zu dem die Mendel-Grundmann-Gesellschaft eingeladen hatte, wurde für die Teilnehmer zu einem beeindruckenden und denkwürdigen Erlebnis. Schon die Anzahl der Interessenten – es waren über 30 Anmeldungen – kann als Erfolg für die Veranstalter gewertet werden. In der Abenddämmerung fand sich die Gruppe vor der Synagoge zusammen. Die spitzbögigen Synagogenfenster leuchteten stilvoll mit Davidstern und den Tränentropfen, die Freud und Leid in der Geschichte der Herforder Juden symbolisieren sollen. Die neue Synagoge bildet – im neugotischen Stil errichtet – eine harmonische Einheit mit dem erhalten gebliebenen jüdischen Gemeindehaus in der Komturstraße. Ein zementierter Steinhaufen aus den Fundamenten der alten Synagoge erinnert an ihre Zerstörung in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. Harry Rothe, seit 10 Jahren Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, begrüßte die Gruppe in der stimmungsvoll erleuchteten Synagoge mit dem beeindruckenden Sternenhimmel. 248 Sterne – symbolisch für 248 jüdische Gebote – leuchten vom Gewölbe des Raumes, und zwar genau in der Konstellation, wie sich der Sternenhimmel am jüdischen Neujahrstag des Jahres 2009 in Jerusalem zeigte. Im „Allerheiligen“ der Synagoge, dem Thoraschrein, stehen hinter einem Vorhang vier Thorarollen, zwei in blauem Thoramantel aus Detmold, zwei in roter Ummantelung aus Herford, denn die neue Synagoge ist die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. Harry Rothe berichtet, dass der Bau der Synagoge nicht möglich und nicht nötig gewesen wäre ohne den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. 90 % der Mitglieder kommen aus den Staaten der ehemaligen UdSSR. Das zeigt zugleich die Aufgaben und Probleme der heutigen Gemeinde auf: die meisten der Zuwanderer haben in ihrer Heimat kaum ihr Judentum gelebt. Sie müssen jetzt erst in den jüdischen Ritus, in die Bräuche zu den jüdischen Jahresfesten oder wie man den Sabbat feiert, eingeführt werden. In diese Richtung gingen auch die Fragen der Besucher: Warum muss man in der Synagoge den Kopf bedecken? Warum müssen Milch- und Fleischgerichte so streng getrennt werden? Warum sind Frauen nicht gleichberechtigt im synagogalen Gottesdienst? Harry Rothe beantwortete alle Fragen geduldig, aber auch manchmal schmunzelnd mit dem Hinweis, dass er als Vorsitzender der Gemeinde letztgültige Antworten nicht geben könne. Er sei ja kein Rabbiner.Während des Vortrags und Gesprächs lag auf dem Lesepult eine teilweise ausgerollte Thorarolle. Zur völligen Überraschung der Vlothoer Besucher sagte Harry Rothe: „Dieses Stück einer Thorarolle stammt aus der Vlothoer Synagoge…“ Diejenigen, die sich seit Jahren ernsthaft mit der jüdischen Geschichte beschäftigen, waren durch diese Aussage mehr als überrascht. Eine Thorarolle aus Vlotho?! Vor drei Monaten habe ein Herr aus Bünde das Fragment bei ihm abgegeben. Es habe sich auf dem Dachboden seiner Familie befunden. Zwischenzeitlich habe man daran gedacht, aus dem guten Pergament einen Lampenschirm zu machen. Nun aber habe man sich entschlossen, es anlässlich der Einweihung der Synagoge an die Herforder Gemeinde zu geben… Die Frage, wie das für die jüdische Geschichte Vlothos bedeutende Dokument nach Bünde gekommen ist, beschäftigt natürlich den Vorstand der Mendel-Grundmann-Gesellschaft. Das Besondere dieses Thora-Teilstücks ist, dass es vom Anfang der Thorarolle stammt. (Die Thora umfasst bekanntlich die 5 Bücher Mose.) Es spricht also einiges dafür, dass es bewusst vom Hauptteil abgetrennt wurde, um es – aus welchen Gründen auch immer – mitzunehmen. Leider muss man in diesem Zusammenhang wohl annehmen, dass die Person, die das Teilstück an sich nahm, es nicht mit der Absicht aufgehoben hat, um ein Stück jüdischer Kultur zu retten. In diesem Fall hätte es nach all den Jahren viele Möglichkeiten gegeben, es an die Jüdische Gemeinde Herford, an ein Museum oder auch an die Mendel-Grundmann-Gesellschaft zurückzugeben, die seit über 40 Jahren die jüdische Geschichte Vlothos erforscht. Der Fund wird sicher zu weiteren Nachforschungen anregen. Die Mendel-Grundmann-Gesellschaft hat nach diesem abendlichen Besuch in Herford nicht nur Grund, sich über den gelungenen Wiederaufbau der Herforder Synagoge zu freuen, sondern auch über ein wiedergefundenes Stück jüdischer Kultur Vlothos. M. K.
Exkursion nach Petershagen am 26. Juni 2010
Unter dem Thema „Auf den Spuren der Juden in Petershagen“ hatte die Mendel-Grundmann-Gesellschaft zu einer Exkursion nach Petershagen eingeladen. Zwischen der „Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen“ und der Mendel-Grundmann-Gesellschaft bestehen seit Jahren enge Beziehungen. So wurde die Gruppe aus Vlotho vom 2. Vorsitzenden Wolfgang Battermann herzlich begrüßt. Mittelpunkt des Besuchs sollte der Stand der Ausgrabungen im Bereich der ehemaligen jüdischen Schule sein, die zu überraschenden Ergebnisse geführt hatten. Wolfgang Battermann wies zunächst auf die Besonderheiten in Bezug auf die Überreste jüdischer Geschichte Petershagens hin. Da ist zunächst das Gebäude der ehemaligen Synagoge, das nach seiner Restaurierung seit 2003 als Dokumentationsstätte genutzt wird. Im Bereich der ehemaligen jüdischen Schule, die direkt an die Synagoge angebaut ist, wurden 2008 Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurde zur Überraschung - auch der Archäologen – eine Mikwe aufgefunden. (Eine Mikwe ist ein Tauchbad, das der rituellen Reinigung der jüdischen Gläubigen dient.) Synagoge, jüdische Schule und Mikwe, die auf das Jahr 1796 zurückgehen, sind ein einzigartiges Ensemble jüdischer Kultur, einmalig im norddeutschen Raum. Dazu gehören noch der jüdische Friedhof und seit 2009 die Verlegung von Stolpersteinen vor den ehemals jüdischen Häusern bzw. Wohnungen. Der Raum der Alten Synagoge beeindruckt durch seine Schlichtheit. Thoraschrein und Bima, das Vorlesepult, werden nur mit filigranen Edelstahlgerüsten angedeutet. Ornamentale Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert sind wieder sichtbar gemacht worden, ohne dass sie den Raum beherrschen. Der relativ kleine Raum wirkt durch die hohe Deckenkonstruktion und die lichtdurchlässigen Fenster größer und strahlt eine gewisse Erhabenheit aus. Mit besonderem Interesse betrachteten die Besucher aus Vlotho natürlich den Chanukka-Leuchter, der als Leihgabe der Mendel-Grundmann-Gesellschaft in der Alten Synagogen wirkungsvoll ausgestellt ist. Besonders fasziniert waren die Besucher von den Restaurierungsarbeiten im Bereich der jüdischen Schule. Leider war die Mikwe, also das Tauchbad, aus bautechnischen Gründen abgedeckt, aber an Hand von Fotos konnte man sich einen Eindruck von dem guten Zustand der Anlage machen. So konnten die Treppenstufen unbeschädigt freigelegt werden. Im Gegensatz zur ehemaligen Synagoge sollen die Räume in der jüdischen Schule (Klassenraum, Lehrerwohnung) wieder eingerichtet und der Treppenaufgang zur Empore wieder hergestellt werden.
Als Beispiel für die Verlegung von Stolpersteinen führte Wolfgang Battermann die Gruppe zum Haus der Familie Oppenheim. Am Schicksal dieser angesehenen jüdischen Arztfamilie wurden Parallelen zur Geschichte der Vlothoer Juden deutlich, wie überhaupt die Geschichte der Juden Petershagens immer auch die Schicksale der Vlothoer Juden anklingen ließ. Die Vlothoer waren beeindruckt von der verdienstvollen Arbeit des Vereins Alte Synagoge, vor allem ihrer Vorstandsmitglieder Pfarrer Eckhard Hagemeier und Wolfgang Battermann, die in den letzten Jahren geleistet wurde, um die Erinnerung an jüdisches Leben und jüdische Kultur in Petershagen wachzuhalten. Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Schloss Petershagen bedankte sich Ralf Steiner, Vorsitzender der Mendel-Grundmann-Gesellschaft, mit anerkennenden Worten für die sehr informative Führung. www.synagoge-petershagen.de
Ein Korb erzählt jüdische Geschichte
Exkursion der Mendel-Grundmann-Gesellschaft zum Museum in Dorsten
Vlotho. Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten will keine Holocaust-Gedenkstätte sein. Im Mittelpunkt stehen hier jüdisches Leben und Kultur in Westfalen. Mitglieder der Mendel-Grundmann-Gesellschaft Vlotho haben dieses Museum inzwischen zum zweiten Mal besucht.
Der erste Besuch fand 1993, ein Jahr nach der Eröffnung, statt. Inzwischen ist das Museum erheblich erweitert und umgestaltet worden. Aber auch bei der Neukonzeption ist man dem Grundsatz treu geblieben, dass man keine Holocaust-Gedenkstätte sein will. Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderte lange Tradition jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Westfalen. Das Jüdische Museum versteht sich als Lernort zum Verständnis des Judentums, seiner Religion und Kultur als Teil deutscher und europäischer Geschichte. Das Museum bietet eine einzigartige Sammlung von Gegenständen zum jüdischen Kultus und jüdischer Kultur, wobei jedes Exponat seine eigene Geschichte hat.
Besondere Faszination übte auf die Vlothoer Besucher der »Bottroper Bücherkorb« aus. In einem Haus in Bottrop, das früher einer jüdischen Familie gehört hatte, fand man 1989 auf dem Dachboden einen Reisekorb mit Büchern. Der Korb enthielt 150 Bücher, die auf Grund der Namenseintragung eindeutig dem einstigen jüdischen Hauseigentümer, nämlich der Familie Dortort, zugeordnet werden konnte. Bei den Büchern handelt es sich um jüdisch-religiöse Literatur, Schriften über Palästina, über Theodor Herzl und seine Vision vom »Judenstaat« und volkstümliche jüdische Bücher. Die Familie Dortort hatte die Bücher - sorgfältig verpackt - auf dem Dachboden ihres Hauses versteckt. Die Wiederentdeckung war an sich schon ein besonderes Ereignis. Die Geschichte des Bottroper Bücherkorbs bekam aber noch eine besondere Wendung, als 2004 ein Besucher des Museums betroffen vor dem Korb stehen blieb und spontan ausrief: »Das ist unser Korb. Wir hatten solche Körbe im Geschäft!« Der Besucher war Josef Dortort, ein Sohn der Familie Dortort, den die Eltern als Zehnjährigen nach Belgien gebracht hatten, um ihn vor der Naziverfolgung zu schützen. Durch glückliche Umstände konnte Josef Dortort überleben. Seine gesamte Familie fiel dem Naziterror zum Opfer.
So spiegelt sich in jedem Detail des Museums die jüdische Geschichte wider. Ein weiterer Schwerpunkt der Führung waren Lebenswege (und Überlebens-Wege) westfälischer Juden. Aus aktuellem Anlass interessierte hier besonders das Schicksal der Marga Spiegel. Sie zählt zu den wenigen jüdischen Personen aus Westfalen, die während der NS-Verfolgungszeit untertauchen und schließlich überleben konnten. Unter dem Namen »Margarete Krone« gab sie sich als Ausgebombte aus und konnte auf verschiedenen Bauernhöfen Zuflucht finden. Ihr Schicksal bildet die Grundlage für den Film »Unter Bauern«, der mit Veronica Ferres produziert wurde und in den nächsten Wochen in die Kinos kommt.
Manfred Kluge, Vorstands-Mitglied der Mendel-Grundmann-Gesellschaft: »Auch dieses Projekt ist sicher im Sinne der Zielsetzung des Jüdischen Museums, nämlich Anteilnahme an dem leidvollen Schicksal der westfälischen Juden zu wecken«.
(Vlothoer Zeitung vom 17.09.2009)
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